Von guter Beratung und von Wirtschaftsauskunfteien

Modul 4.4: Von guter Beratung zu Finanzdienstleistungsprodukten

Wer einen passenden Kredit sucht oder für die Altersvorsorge ein geeignetes Finanzdienstleistungsprodukt auswählen und kaufen möchte, hat es nicht leicht. Auf dem Markt gibt es eine kaum überschaubare Vielzahl von Angeboten und Anbietern.

Viele werden sehr geschickt oder massiv beworben. Und noch dazu sind gerade Finanzdienstleistungsprodukte oft so kompliziert, dass sie für den Laien kaum verständlich sind.

Wo also ist guter Rat zu finden?

Gegenüber der Beratungsfachkraft bei der Bank oder bei anderen Finanzdienstleistern sollte der Kunde und die Kundin sich vor allem darüber klar sein, dass das Interesse der Beratungskraft vor allem der Verkauf ist. Oftmals ist der Berater oder die Beraterin nicht wirklich unabhängig und eher an der eigenen Provision für den Vertragsabschluss interessiert, als am objektiven Wohl seines Kunden oder seiner Kundin. Daher sollten folgende Regeln beachtet werden:

  • Vorbereiten! Zuerst sollte man sich aus unabhängiger Quelle gründlich informieren. Das ist zum Beispiel möglich über die Verbraucherzentralen, die Stiftung Warentest, auch mit ihrer Zeitschrift Finanztest oder im Internet über „Finanztip – Der gemeinnützige Verbraucherratgeber“. Im Internet lassen sich auch leicht aktuelle Zinssätze für Kredite verschiedener Banken recherchieren, aber Achtung: Manche Vergleichsportale sind nicht so unabhängig wie sie sich geben, oft erhalten sie für vermittelte Geschäfte Provisionen.
  • Vorgaben ermitteln! Mache dir klar, was du wirklich möchtest, was zu deinem Ziel passt und wie hoch das Risiko sein darf, das du eingehen willst. Gerade bei Altersvorsorge- und Geldanlageprodukten gilt der Grundsatz: Je sicherer die Anlage sein soll, desto niedriger ist der zu erwartende Gewinn. Andersherum ausgedrückt: Je höher die versprochene Rendite eines Produktes ist, desto höher ist auch immer das Risiko.
  • Nachfragen! Im Beratungsgespräch sollte man immer beharrlich nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Lass dir ausdrücklich auch die
    Risiken und Nebenkosten erklären und bleibe immer angemessen skeptisch.

Von Wirtschaftsauskunfteien und der SCHUFA

Wirtschaftsauskunfteien sammeln Daten, um ihren Vertragspartner Auskunft über die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern oder Geschäftspartnern geben zu können. Im Verbrauchermarkt ist die SCHUFA der Marktführer. Die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ wurde 1927 in Berlin gegründet von der damaligen BEWAG (Berliner städtische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft). Die BEWAG verkaufte damals nach einem neuen Geschäftsmodell  elektrische Haushaltsgeräte auf Ratenzahlungsbasis. Die Raten wurden praktischerweise zusammen mit der Stromrechnung beglichen. In diesen Genuss sollten aber nur regelmäßig zahlende, also „kreditwürdige“ Kundschaft kommen. Dafür wurde ein Datenpool gegründet, über den Aussagen über die Kreditwürdigkeit interessierter Kunden und Kundinnen ermöglicht werden sollten.

Und das funktioniert heute so: Die Mitglieder der SCHUFA, vorwiegend Banken, Telekommunikations- und Handelsunternehmen sowie Inkassodienstleister, melden der SCHUFA laufend Daten zu Verbrauchern, mit denen sie geschäftlich in Kontakt treten. Das kann zum Beispiel die Eröffnung eines Kontos sein, die Gewährung eine Ratenkredits oder eines Telekommunikationsvertrages, das sind die sogenannten „ positiven Merkmale“. Gemeldet werden aber auch „negative Merkmale“, wie beispielsweise die Kündigung eines Kredites wegen Zahlungsstörungen oder eines Telefonvertrages wegen Nichtzahlung durch den Kunden. Außerdem bezieht die SCHUFA Daten aus den gerichtlichen Schuldenverzeichnissen, wo zum Beispiel die Abgabe einer Vermögensauskunft gespeichert wird, die ein zahlungsunfähiger Schuldner abgeben musste.

Die SCHUFA hat heute, schon aufgrund des riesigen Datenspeichervolumens, enormen Einfluss auf den Geschäfts- und Verbraucheralltag. Weit über 650 Millionen Daten von mehr als 60 Millionen Personen sind dort gespeichert. Eine Kreditvergabe ohne SCHUFA-Auskunft ist in der modernen deutschen Gesellschaft undenkbar. Und sogar auf dem Wohnungsmarkt beherrscht die SCHUFA die Szene: Fast überall werden Wohnungen nur an solche Verbraucher und Verbraucherinnen vermietet, für die keine negativen Merkmale in der SCHUFA vermerkt sind.

Nach § 34 BDSG kann jeder Verbraucher und jede Verbraucherin mindestens einmal jährlich eine kostenlose Auskunft über alle Daten bekommen, die Auskunfteien zu ihm oder zu ihr gespeichert haben. Dieses Recht besteht auch gegenüber der SCHUFA.
Die Auskunft kann auch zum „Score-Wert“ verlangt werden. Dieser Wert, der nach einer nicht öffentlich zugänglichen Rechenformel für jede erfasste Person berechnet wird, soll die Kreditwürdigkeit der Person mit einem Prozentsatz bewerten. Die Geheimhaltung der Rechenformel durch die SCHUFA ist vielfach kritisiert worden. In die Formel werden beispielsweise offenbar die aktuelle Wohnadresse und die Umzugshäufigkeit des Verbrauchers einbezogen, nicht aber sein Einkommen und Vermögen, denn letztere sind gar nicht bei der SCHUFA erfasst. Einkommen und Vermögen sollten aber eigentlich wesentliche Kriterien für eine Kreditwürdigkeit sein.

Der Schulden-Atlas

Seit einigen Jahren werden Daten der Unternehmen SCHUFA und Creditreform in sog. Schuldenreports oder Schuldenatlanten veröffentlicht. Die Daten werden dabei in vielerlei Hinsicht ausgewertet, etwa Verschuldung je nach Altersgruppen, Geschlecht, Familienstand und Wohnort. Dabei entstehen Land- und Stadtkarten, in denen farblich der prozentuale Anteil überschuldeter Haushalte aufgeführt ist. Rot steht dabei für hohe, grün für geringe Belastung durch Schulden.

Was tun bei rechtlichen Problemen und bei Schuldenproblemen?

Wer ein geringes Einkommen hat, kann sich dennoch rechtsanwaltlich beraten lassen. Viele soziale Organisationen bieten kostenlose Rechtsberatung an. Hier lohnt eine Recherche im Internet. Auch kann man sich vom Amtsgericht einen Beratungshilfeschein holen. Beim Rechtsanwalt muss man dann maximal 15 € selbst bezahlen.
Für eine gute Schuldnerberatung ist es wichtig, sich nur an Beratungsstellen zu wenden, die über eine staatliche Anerkennung verfügen. In Berlin arbeiten diese ausnahmslos kostenfrei.

Aufgabensammlung 1: „Von guter Beratung von Wirtschaftsauskunfteien“

Lies den Einführungstext, recherchiere bei Bedarf noch im Internet und bearbeite folgende Aufgaben:

  1. Eine Studie im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) untersuchte im Jahr 2017 die am häufigsten genutzten Vergleichsportale für die Finanzdienstleistungsprodukte Girokonto, Ratenkredit und KFZ-Versicherungen. Die Studie wurde vom Institut für Finanzdienstleistungen iff e.V. durchgeführt und hat den Titel „Studie zur Bewertung des Rankings von Verbraucherportalen in Bezug auf Finanzdienstleistungsprodukte“.
    Recherchiere zu dieser Studie und fasse die wesentlichen Ergebnisse in einer frei von dir gewählten Form zusammen (z. B. mindmap oder Text).
  2. Was kann der Verbraucher oder die Verbraucherin tun, um sich zu Finanzdienstleistungsprodukten wie zum Beispiel einem geeigneten Produkt zur Altersvorsorge zu informieren? Recherchiere und stelle deine Ergebnisse in frei gewählter Form, zum Beispiel in einer Präsentation oder einem Plakat vor.
  3. Zu welchem Zweck und wann wurde die SCHUFA von wem gegründet? Wofür steht die Abkürzung SCHUFA? Wie arbeitet die SCHUFA und wie finanziert sie sich? Wie viele Daten hat die SCHUFA gespeichert und was für Daten sind das? Wie kommt die SCHUFA an diese Daten und wem erteilt sie Auskunft? Kann der Verbraucher oder die Verbraucherin Auskunft über die gespeicherten Daten verlangen und unter welchen Bedingungen bekommt er sie? Wie berechnet die SCHUFA den Scorewert? Welche Kritik bringen Verbraucherschützer zum Scoring-Verfahren vor? Wie ist deine eigene Meinung?
  4. Woran kann ich eine gute Beratung zu Finanzdienstleistungsprodukten erkennen und was sollte mich misstrauisch machen? Wie bereite ich mich auf eine Beratung zum Beispiel in einer Bank oder einer Versicherungsagentur vor?
  5. Was ist ein Beratungshilfeschein und wer kann ihn für welchen Zweck bekommen? Wo wird ein Beratungshilfeschein beantragt? Wie hoch ist der eigene Kostenbeitrag, der bei Vorlage eines Beratungshilfescheins für eine rechtsanwaltliche Beratung noch erbracht werden muss?
  6. Woran erkenne ich, ob eine Schuldnerberatungsstelle seriös ist? Wer kann sich an eine Schuldnerberatung wenden? Wir kann ich mich auf das Beratungsgespräch vorbereiten?
  7. Wie kannst du eine kostenlose SCHUFA- Auskunft bekommen? Fülle das Bestellformular testweise mit deinen Daten aus. Recherchiere im Internet dazu und berichte in einem kurzen Text dein Ergebnis.
  8. Lies die abgebildete „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“ vom 19.02.2018 = 6 Seiten) und fasse in Stichworten zusammen, was man daraus erkennen kann.

Arbeitsblatt 1: Karte aus dem SchuldnerAtlas

Bearbeitet die folgenden Fragen und Aufgaben auf einem Extrablatt.
Lest die Karte aus dem Schuldneratlas. Wer gibt den Schuldneratlas heraus? Woher kommen die Daten? Welche Ursachen könnte das sichtbare Nord-Süd-Gefälle haben?
Recherchiert im Internet weiter zum aktuellen Schuldenatlas. Welche Aussagen könnt Ihr daraus zu eurem Bundesland / eurer Stadt / eurem Bezirk ableiten?

Karte Schuldneratlas 2017

Arbeitsblatt 2: Überschuldung und ihre Hauptgründe in Deutschland im zeitlichen Verlauf (Tabellen und Diagramme aus dem SchuldnerAtlas)

Bearbeite die folgenden Fragen und Aufgaben auf einem Extrablatt.

  1. Schaue dir die folgenden Tabelle an. Wie haben sich die verschiedenen Größen (die in den Spaltenköpfen zu erkennen sind) in Deutschland nach Tabelle 14 in den letzten Jahren verändert? Sind bei Betrachtung der Zahlen Tendenzen zu erkennen? Was für Gründe könnten für die von dir ausgearbeiteten Tendenzen verantwortlich sein?
Überschuldungsquoten 2004 bis 2017
  1. Schaue dir das folgende Diagramm an. Warum sind Arbeitslosigkeit und unwirtschaftliche Haushaltsführung deiner Meinung nach die Hauptüberschuldungsgründe? Was wird auf der y-Achse des Diagramms abgetragen? Beschreibe die zeitlichen Verläufe der beiden Graphen und versuche diese zu erklären.
Hauptüberschuldungsgründe Entwicklung Diagramm

Arbeitsblatt 3: The „big five“ – Die Überschuldungsgründe im zeitlichen Verlauf

Bearbeite die folgenden Fragen und Aufgaben auf einem Extrablatt.

Schaue dir die folgende Tabelle an. Lies dir auch das Kleingedruckte unter der Tabelle aufmerksam durch. Wie dir aufgefallen ist, ist die Tabelle dreigeteilt: Was geben die einzelnen Tabellen an und was bedeuten die jeweiligen Überschriften? Warum wird in der Tabelle von den „big five gesprochen“? Nenne Beispiele für sonstige Auslöser für Überschuldungen. Lassen sich in der Tabelle Tendenzen im zeitlichen Verlauf erkennen? Was könnten Gründe dafür sein?

The

Arbeitsblatt 4: Die zehn deutschen Städte mit den höchsten Überschuldungsquoten & Überschuldungsfällen und privater Konsum im zeitlichen Verlauf

Bearbeite die folgenden Fragen und Aufgaben auf einem Extrablatt.

  1. Schaue dir die folgende Tabelle an. Schaue dir die geografische Lage der zehn genannten Städte an und interpretiere deine Erkenntnisse. Was gibt der Prozentwert der Überschuldungsquote an? In welchen Städten hat die Überschuldung in den letzten Jahren am stärksten zugenommen und in welchen ist sie rückläufig? Versuche zu erklären, warum die genannten Städte im deutschlandweiten Ranking aller Städte solch hohe Platzierungen im Rang aufweisen (einbezogen waren 401 Kreise und kreisfreie Städte).
Überschuldungsquoten nach Städten 2004 bis 2017
  1. Schaue dir das folgende Diagramm aus dem SchuldnerAtlas von 2017 an. Was bedeuten die Begriffe „Überschuldungsfälle“ und „privater Konsum“? Warum sind die y-Achsen unterschiedlich skaliert und die Werte in Prozenten angegeben? Interpretiere den Verlauf der beiden Graphen. Was könnten Gründe hierfür sein?
privater Konsum Überschuldungsentwicklung Diagramm
Modul 4: Leihst du noch oder sparst du schon?