Die Rente ist ja noch weit weg? Altersvorsorge!

Modul 4.3: Wer sein erstes eigenes Geld verdient, möchte sich gerne etwas leisten: Endlich kann man einige eigene Wünsche realisieren!

Das ist in Ordnung. Trotzdem sollte man sich auch Gedanken dazu machen, für welche Zwecke man Geld zurücklegen, sparen oder anlegen möchte. Da kommen kurzfristige Sparziele in Frage wie zum Beispiel ein Urlaub. Aber auch die Altersvorsorge und Vermögensbildung sind wichtige Themen.

Als Faustregel kann folgendes gelten:

  • Etwa 10 % des monatlichen Einkommens sollten gespart und zurückgelegt werden, sobald das möglich ist.
  • Auf dem Girokonto sollte für den laufenden unbaren Zahlungsverkehr immer etwa ein Monatsgehalt liegen, aber auch nicht mehr als das.
  • Wenn möglich, sollte ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto vorhanden sein, auf dem überschüssiges Geld vom Girokonto geparkt wird. Das dient der Finanzierung von unerwarteten finanziellen Engpässen, aber auch kurzfristigen Anschaffungen wie z. B. von Haushaltsgeräten, Reparaturen oder dem nächsten Urlaub.
  • Wenn dann noch weiterer finanzieller Spielraum vorhanden ist, kann für größere Anschaffungen gespart werden, zum Beispiel für ein Auto. Dazu dienen zum Beispiel ein Festgeldkonto, Sparbriefe oder Anleihen.
  • Und wenn dann immer noch weitere finanzielle Spielräume bestehen, sollte man sich um die private Altersvorsorge kümmern.
  • Wenn auch dann noch Geld übrig ist, sollte die Frage nach dem eigenen Vermögensaufbau und den dazu geeigneten Finanzprodukten gestellt werden, beispielsweise in Form von Sparbriefen, Immobilien oder Aktienfonds.

Altersvorsorge

Die gesetzliche Rentenversicherung ist eine wichtige Säule im deutschen Sozialsicherungssystem und die grundlegende Vorsorge für das Alter. Sie wird durch ein Umlageverfahren finanziert: Wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, zahlt von seinem Lohn auch Rentenbeiträge. Diese Beiträge werden, wie auch die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung und die Pflege- sowie Arbeitslosenversicherung, vom Lohn einbehalten und vom Arbeitgeber an die Sozialkassen überwiesen. Dabei zahlt auch der Arbeitgeber einen eigenen Teil dazu.
Aus den Rentenversicherungsbeiträgen werden die Renten der jetzigen Rentner finanziert. Aber daraus erwachsen dem Beschäftigten auch Ansprüche auf eine eigene zukünftige Rente im Alter. Dieses System wird mit dem Begriff „Generationenvertrag“ bezeichnet.
Dabei ist die gesetzliche Rente unschlagbar günstig: Während bei privaten Altersvorsorgeprodukten 5 – 10 % der Beiträge für Verwaltungskosten verwendet werden, sind es bei der gesetzlichen Rentenversicherung nur 1,6 %, weil hier weder Werbung noch Provisionen finanziert werden müssen.
Der Generationenvertrag hat jahrzehntelang gut funktioniert. Seit Anfang der 70er Jahre hat Deutschland aber ein trauriges Problem: Die Geburtenraten sind seither stark zurückgegangen, gleichzeitig steigt die Lebenserwartung der Menschen und damit die Zeit ihres Rentenbezugs. Dieses Phänomen nennt man den demografischen Wandel.
Wenn also künftig immer weniger Beschäftigte mit ihren Beiträgen immer mehr Rentenbezieher finanzieren müssen, sinkt das Rentenniveau, also die Höhe der zu erwartenden Rente. Langjährig Versicherte beziehen in Deutschland derzeit eine durchschnittliche Rente in Höhe von 1.200 € monatlich (vor Steuern) und damit 48,2 % des aktuellen Durchschnitteinkommens (vor Steuern), Stand 04/2018. In Zukunft dürfte dieses Niveau wohl noch etwas niedriger ausfallen.
Grund genug also, sich um eine eigene ergänzende Altersvorsorge zu kümmern.

Dafür kommen vorwiegend drei Möglichkeiten in Frage:

  • Die betriebliche Altersvorsorge („Vermögenswirksame Leistungen“): Hier wird ein Teil des Bruttolohns vom Arbeitgeber einbehalten und für den Arbeitnehmer auf ein Vorsorgeprodukt eingezahlt. Das ergibt steuerliche Vorteile, außerdem muss der Arbeitgeber noch 15 % des Beitrags selbst beisteuern.
  • Riesterrente: Bei diesen Vorsorgeprodukten werden monatlich bestimmte Summen einbezahlt, dazu gewährt der Staat jährlich Zulagen, Steuervorteile und Extraprämien für Kinder. Selbstständige nutzen dazu die sogenannte Rürup-Rente.
  • Private Vorsorgeprodukte: Das sind zum Beispiel private Rentenversicherungen, Fondssparpläne, Sparpläne auf börsennotierte Aktien (Indexfonds) oder Staatsanleihen.

Der Markt gleicht einem Dschungel, bietet eine Vielzahl von Anlageprodukten und ist schwer überschaubar. Manche Produkte sind kompliziert und für den Laien kaum verständlich. Umso wichtiger ist es, dass Verbraucher sich aus unabhängigen Quellen informieren und verschiedene Angebote miteinander vergleichen, zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen, der Stiftung Warentest und ihrer Zeitschrift Finanztest oder im Internet bei Finanztip- der gemeinnützige Verbraucherratgeber.

Dabei sollte auch die Faustregel nie vergessen werden: Hohe Rendite und hohe Sicherheit sind kaum zusammen zu haben. Anlageprodukte mit hohen Renditen beinhalten in der Regel auch ein hohes Risiko. Wer Sicherheit sucht, muss mit einer eher niedrigeren Rendite zufrieden sein.

Übrigens: Auch Selbstständige können – freiwillig – in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Vermögensbildung

Für die Vermögensbildung kommen noch andere Anlageformen in Betracht: In Zeiten niedriger Zinsen investieren viele Menschen zum Beispiel in Immobilien. Zum Ansparen auf den Erwerb von Immobilien (Haus, Eigentumswohnung) eignet sich ein Bausparvertrag. Auch der Erwerb von Aktien, Aktienfonds, Investmentfonds, Wertpapieren oder von Gold und Silber kann dem Vermögensaufbau dienen.

Grundsätzlich ist bei der Auswahl immer zu fragen: Wie schnell könnte ich über mein Geld wieder verfügen, wenn ich es brauche? Wie sicher ist die Anlage und wie hoch ist das Risiko, Geld zu verlieren? Wie hoch wird die Rendite sein? Wieviel Ertrag wird mein Finanzprodukt bringen?

Aufgabensammlung 1: Altersvorsorge und Vermögensbildung

Nutze zur Bearbeitung den Einführungstext und ggf. auch eine Recherche im Internet

    1. Sparst du zur Zeit auf etwas? Wenn nein: Warum nicht? Wenn ja: Was ist dein Sparziel, was möchtest du kaufen und wie viel kostet das? Wann wirst du dein Sparziel erreicht haben? Welche Probleme könnten bewirken, dass es doch länger dauern könnte, bis dein Sparziel erreicht ist? Wie könnte es schneller gehen?
    2. Recherchiere zum Thema „Gesetzliche Rentenversicherung“: Wie funktioniert sie? Wann und zu welchem Zweck wurde sie eingeführt? Wie war es vor der Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung? Wie hoch ist der aktuelle Rentenversicherungsbeitrag, welcher Prozentsatz vom Lohn wird dazu vom Arbeitgeber an die Sozialkassen abgeführt und muss er selbst auch etwas beisteuern? Fasse die wesentlichen Ergebnisse in einem Text zusammen.
    3. Was bedeutet der Begriff „Demografischer Wandel“? Suche nach grafischen Darstellungen zu diesem Thema. Warum werden in diesem Zusammenhang vielfach die Begriffe „Pillenknick“ und „Vorsorgelücke im Alter“ benutzt? Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel für jetzt junge Menschen? Fasse deine Ergebnisse in einer Mind-Map, einer Kurzpräsentation, einem Plakat oder einer anderen Form zusammen und präsentiere dein Ergebnis.
    4. Nico ist 17 Jahre alt, er möchte im nächsten Jahr eine Ausbildung zum Maler und Lackierer beginnen. Seine Mutter hat ihm gesagt, dass er von seinem Ausbildungsgehalt etwas abzweigen und in eine private Rentenversicherung einzahlen soll. Nico findet sich eigentlich viel zu jung, um an die Rente zu denken.
      Was kannst du Nico raten? Wann sollte man anfangen, für das Alter vorzusorgen und welche Möglichkeiten gibt es dafür? Wie und wo kann Nico sich dazu informieren? Wer kann ihn fachlich gut und unabhängig dazu beraten?
    5. Sammle Informationen zu den folgenden Finanzprodukten. Beschreibe die Finanzprodukte mit deinen eigenen Worten. Welchem Zweck diesen die Produkte? Was kennzeichnet das Produkt? Wie hoch ist der finanzielle Ertrag, also die Rendite? Wie sicher ist das Produkt? Wie schnell kann man an sein Geld kommen, wenn man es braucht (Liquidität)? Notiere dein Antworten in Stichworten.
      • Sparbuch
      • Sparbrief
      • Aktien
      • Aktienfonds
      • Riester
      • Betriebliche Altersvorsorge
      • Bausparvertrag
    6. Recherchiere im Internet zu drei Ausbildungsberufen in der Finanzbranche. Beschreibe die Tätigkeit und Aufgaben, den Verdienst und die Spezialisierungs- sowie Weiterbildungsmöglichkeiten im späteren Beruf. Welche Voraussetzungen braucht man für eine erfolgversprechende Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz? Wie lange dauert die Ausbildung? Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung?

Zusatzaufgabe: Führe anschließend eine Expertenbefragung zum Beispiel mit einem Bankmitarbeiter oder einem Versicherungsmakler durch.

Modul 4: Leihst du noch oder sparst du schon?