Einnahmen und Ausgaben: Über den Umgang mit dem eigenen Geld

Modul 3.1: Das Taschengeld ist für viele Jugendliche ihre wichtigste Einnahmequelle.

Es wird monatlich oder wöchentlich bezahlt, meist in bar, manchmal überweisen die Eltern das Taschengeld aber auch auf ein bereits vorhandenes Giro-Konto oder Sparbuch der Jugendlichen. Der Betrag ändert sich nur selten. Warum also sollten sich Jugendliche überhaupt damit beschäftigen?

Zum einen ist das Taschengeld oft nicht die einzige Finanzquelle. Dazu kommen zum Beispiel noch Geldgeschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten, finanzielle Belohnungen für gute schulische Leistungen oder kleine Zuwendungen von Verwandten anlässlich von Besuchen oder Familientreffen. Auch haben manche Jugendliche kleine Nebenjobs oder arbeiten in den Schulferien.

Da ist es gut, einen Überblick über die eigenen Einnahmen zu haben.
Zu den Einnahmen kommen aber auch die Ausgaben. Und hier wird es interessant: Denn die Ausgaben sollten sich immer im Rahmen dessen halten, was man sich von den eigenen Einnahmen leisten kann. Wer bei den Ausgaben leicht den Überblick verliert und den durch die Einnahmehöhe gesteckten Rahmen überschreitet, sollte sich noch intensiver mit dem eigenen Geld beschäftigen und versuchen, immer die persönlichen finanziellen Möglichkeiten im Auge zu behalten.

Man kann das trainieren und einüben. Ein Finanzplan und das Führen von Übersichten oder eines Haushaltsbuchs, in den jeden Tag die Einnahmen und Ausgaben eingetragen werden, kann helfen. Das trainiert auch für die Zukunft. Denn spätestens mit dem Auszug aus dem elterlichen Haushalt und Bezug der ersten eigenen Wohnung geht es nicht mehr nur um das Taschengeld, sondern um das Managen des eigenen Geldbudgets, das dann für Miete, Strom und viele andere anstehende Ausgaben ausreichen muss. Da ist es gut, wenn auf Erfahrungen zurückgegriffen werden kann, die bereits im Umgang mit Taschengeld und Co kennengelernt wurden.

Bei „Geld und Haushalt- Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe“ kann man (auch in Klassensatz-Mengen) kostenlos verschiedene Materialien bestellen, zum Beispiel „Mein Taschengeldplaner“, „Budgetkompass für Jugendliche“ und „Mein Haushaltsbuch“. Dort gibt es auch die App Finanzchecker, die hilft, Einnahmen und Ausgaben stets im Blick zu behalten.

Für den Umgang mit dem eigenen Geld können aber auch noch andere Themen eine Rolle spielen. Natürlich sollten, besonders bei größeren Anschaffungen, Kostenvergleiche angestellt werden. Aber es gibt noch andere Kriterien, die möglicherweise weniger offensichtlich sind: Wer etwas kauft, unterstützt damit auch immer die Firma, die den Artikel hergestellt hat. Hält diese in der Produktion Umweltschutzbedingungen ein? Sollten Produkte bevorzugt werden, die wenig oder keine Plastikverpackung haben, um Umweltbelastungen zu vermeiden? Sollten Fair-Trade-Produkte bevorzugt werden? Wo und unter welchen Arbeitsschutzbedingungen wurde der Artikel hergestellt?

Mietvertrag, Stromvertrag, BaföG-Bescheide, Kontoauszüge, Rechnungen und Garantie-Unterlagen: Spätestens in der ersten eigenen Wohnung wird der Verbraucher und die Verbraucherin mit vielen Unterlagen konfrontiert, die geordnet und aufgehoben werden sollten. Es ist sinnvoll, dafür Aktenordner zu nutzen und diese nach Rubriken zu unterteilen, damit benötigte Papiere einfach und schnell auffindbar sind. Vieles kann auch elektronisch gespeichert werden, aber auch hier sollte aber ein persönliches und gut nutzbares Ordnungssystem organisiert werden.

Arbeitsblatt 1: Einnahmen versus Ausgaben

  1. Erstelle einen persönlichen Einnahmenplan.
    Notiere zunächst deine regelmäßigen Einnahmen (z. B. Taschengeld, Nebenjob). Überlege und kalkuliere, wieviel Geld aus anderen Quellen dazukommen könnte (z. B. Geldgeschenke zum Geburtstag, Jobben in den Schulferien). Rechne anschließend in der Spalte „Gesamte Monatseinnahmen“ deine voraussichtlichen Einnahmen des jeweiligen Monats und in der Zeile „Gesamte Jahreseinnahmen einer Rubrik“ die jährlichen Einnahmen einer Einnahmequelle aus. Gib zuletzt dein voraussichtliches Jahreseinkommen an.

    Regel­mäßige Ein­nah­men

    Un­regel­mä­ßige Ein­nah­men

    Mo­nat

    Tasch­en­geld

    Neben­job

    etc.

    Geld­ge­schenk

    Sons­tiges

    Ge­sam­te

    Mo­nats­ein­nah­men

    Januar

    Februar

    März

    April

    Juni

    Juli

    August

    Sep­tem­ber

    Ok­to­ber

    No­vem­ber

    Dezem­ber

    Ge­samte Jahr­es­ein­nah­men ei­ner Ru­brik

    Ge­sam­te Jahr­es­ein­nah­men:

  2. Beantworte die folgenden Fragen auf einem Extrablatt.
    Überlege, wie du das Geld verwenden willst und notiere deine Wünsche oder Pläne. Welche Ausgaben sind wichtig für dich, welche nicht ganz so wichtig? Nach welchen Kriterien möchtest du deine Kaufentscheidungen treffen? Willst du auch Geld beiseitelegen und sparen? Wenn ja: Wofür möchtest du sparen?
  3. Lies den Einführungstext. Beantworte die folgenden Fragen auf einem Extrablatt:
    Welche Vorteile und welche Nachteile könnte es haben, einen Haushaltsplan über seine Einnahmen und Ausgaben zu erstellen? Was ist ein Haushaltsbuch, kann man so etwas auch mit einer App machen? Recherchiere, wo es solche Apps gibt und wer sie anbietet, nenne dazu 3 Anbieter- Beispiele. Würdest du ein solches Angebot nutzen wollen? Begründe deine Meinung.

Aufgabensammlung 1: Bewusstes Konsumieren und Kaufen

Bearbeite die folgenden Aufgaben auf einem Extrablatt:

      1. Wie kannst du kontrollieren, ob dein Taschengeldplan auch funktioniert? Wo bekommst du kostenlose Haushaltsbücher oder Apps, mit deren Hilfe du deine Ausgaben täglich eingeben und so deinen Blick auf das eigene Geld schärfen kannst? Recherchiere im Internet.
      2. Welche Kriterien sind für deine Kaufentscheidungen wichtig? Nenne mindestens 5 Kriterien zu je einem Produkt Deiner Wahl aus den Bereichen Bekleidung, Lebensmittel und Telekommunikation.
      3. Was macht foodwatch? Recherchiere unter www.foodwatch.de. Ist foodwatch unabhängig und wie finanziert sich die Organisation? Fasse deine Ergebnisse in frei gewählter Form zusammen, beschreibe dabei eine aktuelle Meldung oder Aktion der Homepage von foodwatch.
      4. Was findest du unter www.lebensmittelklarheit.de? Recherchiere dazu. Welche Organisation betreibt dieses Portal und womit befassen sich die Akteure? Recherchiere und fasse deine Ergebnisse und Meinung zusammen, beschreibe dabei mindestens eine aktuelle Meldung.
      5. Was ist ein Saison-Kalender für Obst und Gemüse? Wo finde ich sowas? Könnte es sinnvoll sein, Lebensmittel vorwiegend nach den Kriterien Regional und Saisonal auszusuchen? Notiere deine Ergebnisse und Argumente.
      6. Mehr als 90 % unserer Bekleidung wird in Asien produziert. Informiere dich zum Thema Bekleidungsproduktion in Asien. Recherchiere und informiere dich zu den Aspekten „Arbeitsbedingungen der Beschäftigten“ und „Umweltauswirkungen der Textilproduktion“ auf den Webseiten des Umweltbundesamtes, von Greenpeace und Adidas. Fasse deine Ergebnisse zusammen.
      7. Die 16-jährige Berivan hat sich gründlich über die Lebensbedingungen von Kakaobauern weltweit informiert. Sie hat beschlossen, nur noch solche Schokolade zu kaufen, die mit dem Fair-Trade Siegel gekennzeichnet ist. Was ist Fair Trade, wie sieht das Siegel aus, welche Bedingungen müssen für die Siegelverleihung erfüllt sein? Welche Meinung hast du zur Entscheidung von Berivan?
      8. In Berlin hat im Jahr 2014 der Laden „Original Unverpackt“ eröffnet. In diesem Geschäft werden Lebensmittel wie z. B. Nüsse, Öle und Haferflocken, aber auch Reinigungsmittel und Kosmetik komplett ohne Einwegverpackung verkauft. Die Kunden bringen ihre Verpackung selbst mit oder kaufen sie im Laden für die eigene dauerhafte Benutzung, zum Beispiel Gläser, Jutebeutel oder Baumwollsäckchen. Warum gibt es diesen Laden? Recherchiere dazu. Überlege, ob bzw. was du dort einkaufen würdest, stelle deine Meinung dar und begründe sie.
      9. Der Dokumentar-Film „A Plastic Ocean“ zeigt in eindringlichen Bildern, wie dramatisch das Plastikmüll-Problem in unseren Meeren tatsächlich ist. Er erinnert daran, wie zerstörerisch unsere Wegwerfkultur für unseren Planeten ist. Bereitet euch für den Film vor, indem ihr in Kleingruppen zum Thema „Plastikmüll in den Meeren“ recherchiert und Notizen macht. Seht euch den Film an, notiert dabei mindestens 5 besonders eindrückliche Aussagen oder Bilder.
        Diskutiert nach dem Film eure Eindrücke.
        Gestaltet in Gruppen ein Plakat oder einen Flyer für eure Mitschüler und Mitschülerinnen aus anderen Klassen, um sie über das Thema zu informieren. Überlegt dabei, was man tun kann, um Plastikmüll zu reduzieren und macht mindestens 3 Vorschläge, die jeder Verbraucher und jede Verbraucherin ohne große Mühen oder Kosten nutzen kann.

Arbeitsblatt 2: Checkliste - Tipps zum Sparen und Planen im Alltag

  • Regelmäßiges, d h. tägliches Führen eines Haushaltsbuches
  • Einteilung des für den ganzen Monats frei verfügbaren Geldes in Wochenbeträge
  • Abhebungen nur am Geldautomaten der Hausbank oder bei Verbundbanken
  • Beim Abheben einen bestimmten Rhythmus einhalten, z.B. nur einmal pro Woche einen festen Betrag abheben und damit dann auskommen
  • Papiere rund ums Geld (Bescheide, Lohnzettel, Kontoauszüge etc.) regelmäßig zur Kenntnis nehmen, lesen, verstehen, überprüfen und aufbewahren
  • Die eigenen Einkaufsgewohnheiten kennen lernen und strukturieren:
    Muss an jedem Tag etwas eingekauft werden? Oder reicht einmal in der Woche?
    Welchen Stellenwert hat Einkaufen und Konsumieren?
    Frustkäufe vermeiden, niemals hungrig Lebensmittel einkaufen gehen
  • Einkäufe immer nur in bar bezahlen
  • Bei größeren Anschaffungen vorher Preisvergleiche machen und Produkttests lesen
  • Mahlzeiten vorplanen, Reste kreativ verwerten statt wegzuwerfen und Neues zu kaufen
  • Immer Einkaufszettel machen und mitnehmen, auch bei Kleinsteinkäufen
  • „Billigangebote“ sind manchmal gar nicht billig: Werbung kritisch wahrnehmen lernen
  • Mahlzeiten vorplanen, bei Obst und Gemüse auf preiswerte Saisonangebote je nach Jahreszeit achten
  • Kochen lernen! Reste verwerten, kreatives „Restekochen“ üben.
  • Bei Lebensmitteln ist am Regal in größerer Schrift der Stückpreis angegeben. Darunter steht in kleinerer Schrift der Preis pro Kilogramm oder Liter. Diese Angabe ermöglicht einen einfachen Preisvergleich mit ähnlichen Artikeln.
  • Auf Mogelpackungen achten und sich von diesen nicht täuschen lassen
  • WohngemeinschaftstattalleineineineWohnungziehen
  • Stromsparen, z. B. Stand-By-Betrieb vermeiden
  • Stromanbieterwechseln

Teilt euch in Gruppen auf. Lest die sich unten befindene Checkliste. Führt euch vor Augen und besprecht, was mit den einzelnen Tipps gemeint ist. Was findet Ihr gut und was weniger überzeugend? Sucht fünf Tipps heraus, die euch besonders gut gefallen und die Ihr für besonders sinnvoll haltet. Überlegt, wie Ihr Euren Mitschülerinnen und Mitschülern diese fünf Tipps am besten und überzeugendsten präsentieren könnt und setzt eure Idee um. Diskutiert eure Ergebnisse im Plenum.

Arbeitsblatt 3: Fallbeispiel Fatih

Aufgaben: Lies das nach einem echten Fall geschilderte Fallbeispiel Fatih. Welche Fehler hat Fatih gemacht? Was hätte er besser machen können? Notiere deine Ergebnisse z. B. in Form einer Mindmap und stelle sie zur Diskussion.

Fatih ist mit 17 Jahren von der Schule mit dem mittleren Schulabschluss abgegangen. Danach hat er einen Ausbildungsplatz als Beton- und Stahlbetonbauer gefunden. Die Ausbildung konnte Fatih aber nicht erfolgreich abschließen, vor allem die Berufsschule gefiel ihm gar nicht und auch seine Noten dort waren ziemlich schlecht. Nach dem ersten Ausbildungsjahr hat er die Ausbildung deshalb selbst abgebrochen.

Fatih hat dann zwischen 19 und 21 Jahren immer wieder Gelegenheitsarbeiten angenommen, die er meistens leider auch schnell wieder verloren hat. Er hat relativ ziellos gelebt und ihm war vieles egal. Einen Plan für sein Leben hatte er nicht, er fand alles dauernd zu anstrengend.

Als er 22 Jahre alt war, hatte er über mehrere Monate hinweg eine Arbeit. Die Bank hat ihm, nachdem zum dritten Mal in Folge sein Lohn auf dem Konto einging, ungefragt einen Dispo in Höhe von 1.500 € eingeräumt. Diesen hat Fatih innerhalb von vier Wochen auch voll in Anspruch genommen. Mit dem Geld hat er sich ein Auto gekauft, das wollte er schon lange haben. Fatih fuhr mit seinem Auto, ohne sich viele Gedanken über Straßenverkehrsregeln zu machen. Vor allem, dass er dauernd keinen Parkplatz bekam, ärgerte ihn. Deshalb parkte er sein Auto sehr oft an Stellen, wo zwar Platz war, das Parken aber nicht erlaubt. Insgesamt lagen nach 18 Monaten 22 Bußgeldbescheide wegen Falschparken und auch wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen vor. Fatih hat die Bußgeldbescheide alle weggeworfen. Die Kfz-Steuer war auch nicht bezahlt, deswegen wurde das Auto letztlich auch zwangsweise stillgelegt. Etwa zwei Monate vor der Stilllegung hat Fatih dann noch einen Unfall verursacht, er war dabei alkoholisiert. Das Auto war zu diesem Zeitpunkt auch nicht mit der vorgeschriebenen KFZ-Haftpflicht-Versicherung versichert, weil Fatih auch die Autoversicherung nicht bezahlt hatte. Er hatte die Versicherungspapiere verloren und wusste nicht mehr, wieviel er genau zahlen müsste und wohin der Versicherungsbeitrag zu überweisen war. Die Versicherung hat dem verletzten Unfallgegner dessen Schaden bezahlt, fordert das Geld aber jetzt von Fatih zurück. Und Fatih ist wegen des Unfalls zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Fatih hat außerdem Schulden bei einer Telefongesellschaft und einem Fitnessstudio. Insgesamt war er dort nur zweimal zum Training. Dass er mit seiner Unterschrift eine zweijährige Bindung eingeht und einen rechtswirksamen Vertrag über eine so lange Zeit schließt, war ihm nicht bewusst.

Fatih hat jetzt folgende Schulden:

Bank (Dispo) 1.431 €
Versicherung (Schadensersatz) 11.239 €
Bußgelder 1.200 €
Handyanbieter 686 €
Fitnessstudio 820 €
Finanzamt (Kfz-Steuer) 142 €
Ordnungsamt (Gebühr f. Stilllegung) 100 €
Staatsanwaltschaft (Geldstrafe) 2.000 €
Gesamt: 8 Gläubiger 17.618 €
Wo bleibt mein Geld? Über den Umgang mit dem eigenen Einkommen