Reden über Geld

Modul 1.1: Dieser Baustein dient als inhaltlicher Einstieg und Einführung in die Thematik, besteht aus zwei Arbeitsblättern und soll dazu beitragen, bestehende Hemmungen beim Sprechen über Geld abzubauen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit ihren eigenen Wünschen beschäftigen und eigenständig das Thema Konsum reflektieren. Sie sollen sich auch bewusst machen, dass viele Wünsche nicht mit Geld „erkauft“ werden können.

Das Arbeitsblatt besteht aus Fragen, auf die die Schülerinnen und Schüler in Einzelarbeit oder in Gruppen Antworten suchen. Die Antworten werden zum Beispiel auf Papieren, Flipchart, einer Tafel oder auf Moderationskarten notiert. Zudem werden die Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert, sich selbst Fragen zu überlegen, deren Antwort von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern sie interessieren würde.
Zum Schluss werden die Ergebnisse –ggf. von den Gruppen- für die ganze Klasse präsentiert und diskutiert.

Eventuell wird den Arbeitsgruppen jeweils nur ein Teil der Fragen vorgelegt, so dass jede Arbeitsgruppe andere Fragen beantwortet. Zudem kann dadurch eine variable Zeitplanung umgesetzt werden. Die Fragen und Antworten werden danach im Plenum zusammengeführt, verglichen und besprochen.

Auf dem Aufgabenblatt, das sich ab Klasse 9 für den Unterricht eignet, geht es um den ethisch-moralischen und ökologischen Hintergrund von modernen „Konsum-Möglichkeiten“ und Möglichkeiten, Geld auszugeben oder zu verdienen.

Auch hier ist zum Beispiel Kleingruppenarbeit, ein Gruppenpuzzle, Stationenarbeit oder Einzelstillarbeit möglich. Die Meinung einer Gruppe muss ausdrücklich nicht einheitlich ausfallen.

Arbeitsblatt: Sprechen über Kaufen, Konsumieren und Glück

Beantworte die folgenden Fragen. Wenn der Platz für deine Antworten nicht ausreicht, nutze ein Extrablatt.

  1. Ist das Thema „Geld“ für dich ein positives und angenehmes Thema? Oder ist es eher ein unangenehm oder stressiges Thema? Oder siehst du sowohl positive wie auch unangenehme Aspekte?
    Suche Beispiele und Argumente aus deinem Leben.
  2. Kennst du selbst Einkäufe aus Frust, aus Wut, aus Langeweile oder um Kummer loszuwerden? Sind diese Einkäufe hilfreich oder eher problematisch? Welche Alternativen gibt es, um Wut, Frust, Kummer oder Langeweile loszuwerden? Suche Beispiele und Antworten aus deinem Leben.
  3. Was sind die drei wichtigsten Dinge, die du innerhalb der nächsten 12 Monate kaufen willst? Warum möchtest du diese Dinge besitzen? Wie finanzierst du das? Was sagen deine Freunde und deine Familie dazu?
  4. Gibt es auch „Glück“, das man nicht kaufen kann? Wenn ja: Benenne mindestens drei Beispiele und begründe diese.
  5. Was findest du besser: Wünsche gleich erfüllen und später bezahlen? Oder langsam machen, sparen und warten, bis das Ersparte zum Kaufen reicht? Nenne Vor- und Nachteile anhand verschiedener Beispiele.
  6. Welche Vorteile bietet ein Kredit? Gibt es auch Risiken, wenn man einen Kredit aufnimmt? Welche könnten das sein?
  7. Was ist wirklich wichtig in Deinem Leben? Nenne drei positive Faktoren, die dir wichtig für dein jetziges Leben erscheinen. Hast du Wünsche und Ziele für dein zukünftiges Leben? Nenne drei Wünsche oder Ziele für deine Zukunft und begründe sie. Kannst du dir diese Wünsche in der Zukunft erfüllen oder deine Ziele erreichen? Beschreibe, ob bzw. wie und wann du diese Wünsche in deinem künftigen Leben erfüllen bzw. deine Ziele realisieren kannst. Notiere dein Ergebnis auf einer Mindmap oder einer Collage / Wandzeitung.
  8. Was hat dich in den letzten 2 Wochen wirklich glücklich gemacht? Begründe.
  9. Woher kommt das Geld zum Leben? Nenne drei Möglichkeiten und bewerte deren Vor- und Nachteile.
  10. Konsum und Shoppen mag ich/mag ich nicht, weil…
  11. Schöne Bekleidung ist für mich…
  12. Mein Handy ist für mich…
  13. Ohne Handy bin ich…
  14. Überlege dir zwei Fragen zum Thema Geld, Glück und Leben, die du deinen Mitschülerinnen und Mitschülern gerne stellen würdest.

Aufgabenblatt: Was man kaufen kann – Konsum und Moral

Beantwortet die folgenden Aufgaben auf einem Extrablatt:

  1. Bezahlte Überholspur
    In den USA gibt es einen Trend zur schnellen Sonderspur auf den Schnellstraßen. Besonders Pendler können damit dem Stau oder zäh fließenden Berufsverkehr gegen Bezahlung auf eine schnellere Spur entfliehen. Ursprünglich waren diese Schnellspuren nur für Fahrgemeinschaften vorgesehen, die sich bilden sollten. Damit sollten insgesamt weniger Autos auf den Fahrspuren unterwegs sein und damit Staus und Luftverschmutzung reduziert werden. Inzwischen können vielerorts aber auch Alleinfahrer für eine Gebühr von bis zu 10 Dollar die Sonderspuren nutzen. Während der Berufsverkehr z. B. auf dem Riverside Freeway bei Los Angeles in den Gratisspuren mit zähen 20 bis 30 km/h fließt, rauschen die zahlenden Alleinfahrer mit 90 km/h vorbei.
    Aufgabe: Bewertet diese „Kaufmöglichkeit“. Zählt Vor- und Nachteile auf und begründet eure Position.
  2. Schlange stehen
    Bei manchen Kunst-Ausstellungen gibt es lange Schlangen, manchmal muss man stundenlang für den Einlass anstehen. So war es zum Beispiel in Berlin, bevor Anfang 2015 die Neue Nationalgalerie für mehrere Jahre schloss. Auch vor den Apple-Geschäften bilden sich oft am ersten Verkaufs-Tag eines neuen iPhone-Modells lange Schlangen. Aber auch in Behörden muss man manchmal stundenlang warten. Und als Anfang 2018 in Berlin in einer stark limitierten Auflage ein Adidas Sneaker mit eingebauter BVG-Jahreskarte verkauft wurde, campierten Kaufwillige schon zwei Tage vor dem Verkaufsstart vor dem Geschäft.
    Daraus hat sich vielerorts ein Geschäft entwickelt. Wer eine Karte oder einen Termin ergattern will, bezahlt einen Rentner, Studierende oder Obdachlosen für das stellvertretende Warten. In Washington D.C. werden regelmäßig Interessenvertreter zum Beispiel der Wirtschaft zu geplanten Gesetzesänderungen in den Kongress eingeladen und von den Abgeordneten angehört, die Wartezeit für diese Anhörungen liegen aber oft bei bis zu 10 Stunden. Für dieses Warten werden vielfach Studierende oder Obdachlose engagiert zum Preis von 36 bis 60 Dollar je Stunde Warten in der Schlange, was schon 1995 in einem Leitartikel der „Washington Post“ stark kritisiert wurde.
    Aufgabe: Bewertet diese „Kaufmöglichkeit“ für drei ausgesuchte Beispiele. Ihr könnt dafür aus den oben genannten Beispielen wählen oder eigene Beispiele recherchieren. Zählt aus den verschiedenen Perspektiven von Beteiligten deren mögliche Argumente auf und begründet eine eigene Position.
  3. Bargeld für Sterilisation
    In jedem Jahr werden Tausende Babys von drogenabhängigen Müttern geboren. Viele dieser Babys sind von Geburt an drogenabhängig, manche sind körperlich unterentwickelt oder werden in der Folge von ihren Müttern vernachlässigt. In den USA bietet die Hilfsorganisation „Project Prevention“ folgende Lösung an: Drogenabhängige Frauen erhalten 300 Dollar in bar, wenn sie sich sterilisieren lassen oder langfristige Empfängnisverhütungsmittel wie beispielsweise eine Kupeferspirale einsetzen lassen. Seit Beginn des Programms in 1997 haben mehr als 3000 Frauen dieses Angebot angenommen. Es wurde auch auf Kenia ausgedehnt.
    Aufgabe: Bewertet dieses Programm. Zählt die verschiedenen Argumente auf und begründet eure eigene Meinung.
  4. Geld für gute Schulnoten
    Manche Eltern zahlen ihren Kindern Geld für gute Schulnoten, oft werden zuvor „feste Preise“ festgelegt. In den USA gibt es auch einzelne Schulen, die ihre Schülerinnen und Schüler für gute Noten oder gutes Benehmen, Anwesenheit oder das Anfertigen von Hausaufgaben mit Sachwerten oder Geld belohnen. Inzwischen bietet ein Dutzend Staaten in den USA finanzielle Anreize für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerkräfte bei erfolgreichem Abschneiden in den sogenannten „Advanced-Placement Programms“ an. Damit soll insbesondere Schülerinnen und Schülern aus Minderheiten und niedrigen Einkommensgruppen ein Anreiz gesetzt werden.
    Aufgabe: Recherchiere zu diesem Thema im Internet. Bewerte diesen Ansatz. Werden die Anreize funktionieren? Begründe eine eigene Meinung.
  5. Gesund leben
    Manche Firmen bezahlen ihren Angestellten eine Prämie, wenn diese nicht rauchen. Für die Firmen lohnt sich das, weil ihre Angestellten so gesünder und leistungsfähiger sind. Auch manche Krankenkassen wollen Prämienmodelle für ihre Versicherten einführen: Nichtrauchende erhalten einen finanziellen Bonus. In den USA gab es Projekte, eine Gewichtsreduzierung finanziell zu belohnen. Auch in England legte der Nationale Gesundheitsdienst NHS ein Programm „Pfund gegen Pfunde“ auf, das übergewichtigen Personen bis zu 425 Pfund zahlte, wenn sie abnahmen und ihr Gewicht zwei Jahre lang hielten. Es gibt Apps, die Gesundheitsparameter dokumentieren (u. a Essgewohnheiten, Bewegung, Blutdruck). Dazu passend gibt es Überlegungen, nach denen Krankenkassen ihren Versicherten eine finanzielle Belohnung zahlen, wenn diese die App nutzen und die Daten der Krankenkasse übermitteln. Dabei soll die Entlohnung nach erreichten gesundheitlichen Erfolgen (z. B. Gewichtsreduktion, ausreichend Bewegung) gestaffelt sein.
    Aufgabe: Kennt Ihr solche Beispiel auch aus Deustchland? Informiert euch selbstständig im Internet darüber, ob es solche Modell auch in Deutschland gibt. Bewertet diese Modelle von finanziellen Anreizen. Begründet eine eigene Meinung.
  6. Was für Geld zu kaufen ist
    Gibt es Dinge, die für Geld zu kaufen sind, die aber nicht käuflich sein sollten? Beispielsweise kann man eine Niere kaufen. Das ist nach deutschem Recht verboten, jedoch findet es in anderen Ländern statt. Und auch Deutsche sind dabei Käufer. Die transplantierten Nieren stammen meist von Menschen aus armen Ländern. Der aus den USA stammende Richter Richard Posner machte vor einigen Jahren Schlagzeilen mit dem Vorschlag, zur Adoption stehende Babys zu versteigern. So sei sichergestellt, dass ihnen ein Leben ohne materielle Armut bevorstehe. Es gibt Menschen, die gegen Entgelt für andere Liebesbriefe schreiben, weil sie so schön formulieren können. Sie schreiben auch Entschuldigungsbriefe oder Hochzeitsreden. Politiker lassen sich von Angestellten Reden schreiben. Auf illegalen Wegen kann man sich eine Doktorarbeit schreiben lassen und diese an der Universität einreichen, damit man einen Doktortitel führen kann.
    Aufgabe: Was sollte gekauft werden dürfen und was nicht? Bewertet mindestens drei der oben genannten Beispiele. Findet eigene Beispiele und begründet eine eigene Meinung.
  7. Werbung in der Schule
    Manche Firmen bringen Werbung in die Schule. Da gibt es zum Beispiel Plakate, die für Pausensnacks oder für Marken-Bekleidung werben. Doch wie weit darf oder sollte solche Werbung gehen? Sollen Flächen auf Toilettenwänden vermietet werden, zum Beispiel mit Videobildschirmen, die für Nike-Turnschuhe oder Samsung-Smartphones werben? Sollten Werbeartikel geduldet werden, wie zum Beispiel Schülerkalender, die Werbeanzeigen für Kosmetik und Schülerreisen enthalten? Sollte eine Schule zum Beispiel H & M-Gymnasium genannt werden dürfen, wenn der Hersteller dafür die Sanierung der Turnhalle bezahlt? Oder ist es okay, wenn die Firma Apple die Schule mit ihrer IT-Technik ausstattet, die Schule im Gegenzug aber keine anderen IT-Marken mehr verwenden darf? Darf Coca-Cola das exklusive Recht zum Verkauf von Softdrinks, Säften und Wässern an einer Schule bekommen, wenn dafür die Schultoiletten saniert werden?
    Aufgabe: Bewertet die Beispiele. Nennt Vor- und Nachteile und begründet eine Meinung. Findet weitere Beispiele.
  8. Konsumismus
    Papst Franziskus hat die Welt mehrfach dazu aufgerufen, sich vom „Konsumismus“ abzuwenden, auch aus ökologischen Gründen und der Liebe zu Umwelt und Natur.
    Aufgabe: Was meint der Papst damit? Recherchiert und fasst das Ergebnis sowie eure eigene Meinung dazu zusammen.
Modul 1: Das muss ich auch haben! Werbung und Konsum